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Sonstiges

NEUERSCHEINUNG

"PERFEKTES DESIGN - THONET NR.14"

Im August 2015 erschien im Kerber Verlag die Publikation „PERFEKTES DESIGN - THONET NR.14“. Dieses Buch enthält die Ergebnisse jahrelanger Recherchen zur Geschichte der Thonetschen Bugholzmöbel und die neuesten Erkenntnisse zu deren Entwicklung; erstmals auch Tabellen, mit deren Hilfe sich das Alter eines jeden Thonet-Stuhls exakt bestimmen lässt. Das Buch war bereits nach wenigen Monaten ausverkauft, doch können noch Exemplare direkt beim Autor erworben werden.








Herausgeber: Wolfgang Thillmann
Texte: Wolfgang Thillmann

Gestaltung: Manfred Bogner, Sandra Meifarth

ISBN: 978-3-7356-0119-3
Format: 24,00 x 28,00
Seiten: 128
Abbildungen: 182 farbige und 23 s/w Abbildungen
Cover: Hardcover, Fadenheftung
Sprache: Deutsch


Hier das Vorwort:

"Vor Michael Thonet musste man sich „[…] mit einer mäßigen Krümmung von höchst einfacher Art begnügen. Ein völlig befriedigendes Ergebnis, ein nach jeder Richtung ausreichendes industriell wertvolles Verfahren konnte man erst nach einer langen Versuchszeit erfinden. Und diese Erfindung machte Michael Thonet."

Mit Michael Thonets „Consumsessel Nr. 14“ beginnt die Ära des modernen Design. All die Aussagen, welche diesen Stuhl beschreiben – „durch Serienproduktion gereinigte Form“, Verkörperung eines Ideals von „konstruktiver Wahrheit und Materialgerechtigkeit“, Inbegriff der Forderung „form follows function“ – orientieren sich an Kriterien unserer heutigen, „designgeschulten“ Sicht. Man darf annehmen, dass sie bei einem Zeitgenossen nur ein ungläubiges Kopfschütteln hervorgerufen hätten – und sicher auch bei Michael Thonet, dem Erfinder selbst. Umso mehr die Frage: Welches sind die Gründe für den Erfolg der Nr. 14, eines Sessels, der reine Zweckform ist und kein Repräsentationsbedürfnis befriedigen konnte? Und dies zu einer Zeit, in der auf letzteres entscheidend Wert gelegt wurde.

Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit zuvor für undenkbar gehaltener technischer Entwicklungen. Auf Weltausstellungen werden die Produkte des „Gewerbefleißes der Nationen“ vorgestellt und treten in Wettbewerb miteinander. Von Seiten der Nationalstaaten werden durch wirtschafts- und gewerbepolitische Maßnahmen im Sinne des von Adam Smith formulierten ökonomischen Liberalismus den Möglichkeiten neu sich eröffnender Märkte Rechnung getragen: Die seit dem Mittelalter bestehende Zunftordnung wird durch die Erteilung von Privilegien gelockert oder auch ganz abgeschafft. Es entsteht eine Handels-, Geld- und Kreditorganisation, es entstehen neue und schnellere Transportwege, und mit dem Bevölkerungswachstum ein steigender Bedarf an leichten und billigen Möbeln für private wie für öffentliche Räume.

Die „Gebrüder Thonet“ haben dank ihres 1856 privilegierten Herstellungsverfahrens für mehr als ein Jahrzehnt das alleinige Recht, diesen Markt mit ihren konkurrenzlos günstigen Möbeln zu beliefern. Mit Möbeln aus massiv gebogenem Holz hatte man ein Produkt entwickelt, welches ideal geeignet war für die industrielle Fertigung. Neue Maschinen und eine durchrationalisierte Arbeitsteilung erlaubten es, „diesen Stuhl massenhaft und in immer gleicher Qualität herzustellen“. Die Möbel waren leicht und dauerhaft haltbar; sie waren leicht zu montieren und zu demontieren, konnten somit platzsparend transportiert und auf einem weltweiten Markt angeboten werden. Der Preis war konkurrenzlos billig und der billigste und erfolgreichste Sessel war die Nr. 14. Nicht umsonst baute man schon kurz nach dessen Einführung die zweite Fabrik in Bistritz/Mähren, in der – als damals modernstem Standort – vorwiegend dieses Modell gefertigt wurde.

Die Nr. 14 ist das Resultat einer jahrzehntelangen Entwicklung, die, ausgehend von Möbeln für ein bürgerliches Publikum über die Palais der Aristokratie schließlich zu einer „Demokratiesierung des Sitzens“, zu Möbeln für alle, führte. Unterschiedliche Biegeverfahren bis hin zum Massivbiegen begleiten diesen Weg, an deren Ende der Stuhl steht, von dem der dänische Architekt Poul Henningsen 1927 gesagt hat: „Wenn ein architekt diesen Stuhl fünfmal so teuer, drei mal so schwer, halb so bequem und ein viertel so schön macht, kann er sich einen namen machen“.

Im Mittelpunkt steht die „Evolution“ der Nr. 14, von dem 1859, dem ersten Jahr der Herstellung, bereits 4.069 und 1860 schon 12.266 Stück verkauft wurden. In den 1860/70er Jahren änderte sich das „Design“ nicht entscheidend, doch durch verbesserte Biegeverfahren und neue „Erfindungen“ gelang es, die Gebrauchstüchtigkeit dieses Produkts entscheidend zu erhöhen und die Form zu optimieren. All dies sollte noch zwei Jahrzehnte dauern, so dass wir erst am Ende der 1870er Jahre die formal und technisch „endgültige“ Ausführung sehen werden.

Diese stetigen Verbesserungen kamen jedoch nicht allein der Nr. 14 zugute, sondern allen Sitzmöbeln der „Gebrüder Thonet“. Eine Darstellung der Erfolgsgeschichte dieses Modells erlaubt somit Rückschlüsse auch auf die unterschiedlichen Ausführungen der Sitzmöbel generell. Als praktisches Resultat findet der Leser in dem Kapitel „Wie alt ist mein Thonet Stuhl?“ eine Übersicht, mit deren Hilfe es ihm möglich ist, das Alter seines Thonet Stuhls selbst exakt zu bestimmen.“

Inhaltsverzeichnis (zum Vergrößern bitte klicken)

Hier einige Seiten

Roentgen-Museum auf Youtube

Sie können Teile der Ausstellung im Roentgen-Museum: „MöbelDesign, Roentgen Thonet und die Moderne“ auch auf YouTube anschauen.
Die Ausstellung diente dem bekannten Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt jr. als Kulisse zur Analyse dreier Filme der Coen-Brüder. Werfen Sie jetzt einen Blick hinein und lassen Sie sich überraschen.

Nicht nur etwas für Cineasten!