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Neues

Seit dem 17. Juni präsentiert das Roentgen-Museum Neuwied die Ausstellung:

Schichten - Möbeldesign vom Klassizismus bis zur Moderne

Zu sehen sind Möbel von dem Ende des 18. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre, bei denen Sperrholz und Schichtholz verwendet wurden.

Hatte dies zuerst lediglich den Zweck, dass Möbelteile ihre Form hielten und sich nicht verzogen, so entdeckte man bald, dass Schichtholz - faserparallel verleimte dünne Leisten oder Furniere - sich auch leicht biegen ließ und gestalterische Lösungen ermöglichte, wie sie Massivholz niemals bieten konnte. In Faserrichtung gebogenes und verleimtes Holz ist darüber hinaus wesentlich stärker als massiv geschnittenes. Die geschweiften Teile von Möbeln konnten nun so filigran ausgeführt werden, wie es den Kunsttischlern, die sich weitestgehend noch traditioneller Herstellungstechniken bedienten, nicht möglich war.

Der Französisch/Belgische Kunstschreiner Jean-Joseph Chapuis und Michael Thonet waren die ersten, die das Potential dieses Materials erkannten. Sie experimentierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit verschiedenen Herstellungsverfahren, gebogene Möbelteile aus Schichtholz zu erzeugen. Wenn sie sich auch überwiegend noch an dem klassizistischen oder biedermeierlichen Formen-Repertoire ihrer Zeit orientierten, so weisen ihre technischen Lösungen weit in das 20. Jahrhundert voraus. In den 1920er Jahren wurden von Entwerfern wie Alvar Aalto oder Marcel Breuer diese Verfahren wieder aufgenommen und in eine material- und zeitgemäße Formensprache übersetzt.

Mehr oder weniger parallel zu der Entwicklung von Schichtholz experimentierte man auch mit Sperrholz - jeweils um 90 Grad sich kreuzende Furniere werden miteinander verleimt - das in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erst einmal nur für den Möbelbau, bald aber auch in vielfältigen anderen Anwendungen eingesetzt wurde. Entscheidend für den Siegeszug dieses Materials ist die Entwicklung von erst mit Dampf, dann mit Hilfe von Elektrizität betriebenen Maschinen, die Verbesserung von Leimen und der Einsatz hydraulischer Pressen, womit sich Sperrholz erst in großem Maßstab erzeugen lässt. Die Investitionen in Maschinen und weitere Ausrüstung sind sehr hoch und verlangen daher ein Produkt, welches massenhaft benötigt wird. Dies waren erst einmal Stuhlsitze. Das aufwendig, weil nur in Handarbeit herzustellende und nicht sehr haltbare Geflecht, mit welchem vor allem die Bugholzmöbelhersteller ihre Sitzmöbel ausstatteten, wurde nach und nach durch Sperrholz ersetzt. Überwiegend bezogen diese die Stuhlsitze und -rücken von auf die Herstellung dieses Materials spezialisierten Firmen. Einer der größten Produzenten von Sperrholz für alle Arten von Anwendungen war „Luterma“ in Estland, während die deutsche Firma Holzindustrie Wittkowski, „Cawit“, Pionier der Sperrholzindustrie in Deutschland, speziell die Erzeugung von Stuhlsitzen für die Möbelindustrie betrieb. Die „Gebrüder Thonet“ bauten bereits 1877 eine eigene Sperrholzfabrik. Neben Sitzen und Rücklehnen für Stühle wurde dieses Material auch für Koffer, Schachteln, Kisten, Abdeckhauben für Nähmaschinen und alle Arten von sonstigen Behältnissen verwendet. Mit Metall beschichtetes Sperrholz wurde für Verkleidungen von Kraftfahrzeugen hergestellt.

Ab der Mitte der 1920er Jahre beginnt eine Reihe von Entwerfern damit, sich intensiver mit den gestalterischen Möglichkeiten von Sperrholz zu beschäftigten und gelangt zu ganz neuen und innovativen Lösungen. In Deutschland sind dies die Gebrüder Rasch, in Finnland Alvar Aalto, in England Gerald Summers. Die Londoner Firma Isokon war 1931 von Jack Pritchard und dem kanadischen Architekten Wells Coates mit dem Ziel der „Herstellung und dem Verkauf von Möbeln aus Sperrholz“ gegründet worden. Der wichtigste Entwerfer für Isokon war der Bauhäusler Marcel Breuer, der von 1936 bis 1938 für Isokon arbeitete und eine Reihe von Möbeln schuf, die die gestalterischen Möglichkeiten dieser modernen Materialien - Schichtholz und Sperrholz - auf eine zuvor nicht gekannte Art und Weise erweiterten. Neben Alvar Aalto ist Marcel Breuer sicher der für die Moderne der 1930er Jahre wichtigste Entwerfer; beide verwenden erstmals Schichtholz und Sperrholz in einer dem Material gemäßen Form und bauen Möbel, die zu der modernen Architektur und Lebensumwelt passen und unsere Wohnungen bis heute prägen.

Die Ausstellung wird bis zum 4. November 2018 zu sehen sein.

Hier einige Bilder



Zu der Ausstellung ist ein 224 seitiger, reich bebilderter Katalog, erschienen, der auch im Museum erworben werden kann.


TENNISSCHLÄGER DER FIRMA "GEBRÜDER THONET"

Dr. Heiner Kerling hat ein umfassendes Buch zu der Thonetschen Tennisschläger-Produktion veröffentlicht. Er gibt einen detaillierten Überblick über die Modelle und die Zeit, in der diese hergestellt wurden. Daneben finden sich Abbildungen seiner mehr als vierzig Tennisschläger umfassenden Sammlung - und dies alleine solche von Thonet. In einer minutiösen Übersicht rekonstruiert er deren Historie. Da dies immer auch mit entsprechenden Abbildungen der Kennzeichnungen und weiteren signifikanten Merkmalen illustriert ist, eignet sich dieses Buch ganz hervorragend zur Bestimmung eines jeden Thonetschen Tennisschlägers, der sich noch in der ein oder anderen Sammlung „verstecken“ mag. Herrn Kerling kam bei dieser Arbeit sein großes Wissen über Tennisschläger im Allgemeinen zugute. Die Fachbegriffe über Schlägerherzen, Kopfformen, Griffe von rund bis achteckig usw., wären für jeden Thonetologen Neuland. Dieses Buch wird jede Bibliothek über Thonet ergänzen in einem Bereich, in dem es bisher nur einzelne Hinweise gab. Durch diese Publikation wurde alles Wissenswerte erstmals übersichtlich und in ansprechender Form zusammengestellt.


Das Buch ist erschienen im Eigenverlag und kann bei dem Autor zum Preis von 58,00 plus Versandkosten (Inland € 4, Ausland € 8) erworben werden.
Mail: heiner.kerling@kabelmail.de


„PERFEKTES DESIGN - THONET NR.14“

Das Buch, erschienen im Kerber Verlag, war bereits nach nur vier Monaten ausverkauft und ist im Buchhandel nicht mehr erhältlich.
Es sind noch einige Exemplare vorhanden, die direkt beim Autor erworben werden können: Kontakt

Einleitung, Inhalt und einige Seiten hier